„Haut“



Die Studenten sind dazu angehalten Zeichen zu finden, die ohne Wortbeschreibung für sich stehen.
Es wird deutlich, dass Zeichen stets im kulturellen Kontext zu lesen und zu verstehen sind.
Die Konzeption einer „Multivision“ bot die Möglichkeit die Komplexität des Themas aufzugreifen. Eine Diashow, die in den 80ern, noch ganz in analoger Technik, ein recht beliebtes Medium für Präsentationen darstellte. Unterstützt wurde das Projekt durch die Firmen Kodak, Merck, und Mero.

Die Phase der Ideenfindung:
Welche Art von Zeichen eignen sich. Macht eine Neuschöpfung von Zeichen Sinn, oder ergibt sich eine Erzählung von Vorgefundenem, etablierten Zeichen? Etliche Versuche und Studien waren erforderlich um mir neben der Thematik auch die Präsentationstechnik dienlich zu machen.
Verlockend, Zeichen mit effektvollen Überblendungen und Klangeffekten zu beleben.

Zeichen im Verborgenen:
Meine Recherche richtete sich mehr und mehr auf „Anzeichen“. Zeichen herauszuarbeiten, die in Darstellungen realer Szenen vorzufinden sind. Ein Prozess, auf den ich mich mehr und mehr einlassen konnte. – Und ohne Ton ist die Präsentation auch keine Multivision.

Die damalige Musikszene zeichnete sich durch zahlreiche experimentelle und neuartige Klangwelten aus. Neben der Punk-Bewegung und den „neuen Wilden“ in der Kunst, gab es zahlreiche Eigenproduktionen an denen ich mich (soweit verfügbar) gerne bediente.

Somit begann die Arbeit der Synchronisation:
Zunächst kam die absolut energiegeladene Aufnahme eines Don Ellis „hey Jude“ in Betracht. Dann meine Eigenkomposition, die ich mit einem geliehenen Casio Keyboard konzipierte und weiteren bekannten Lieder-Welten kollagierte. Überaus inspirierend ist die goldfarbene Flexi-Disk von Hans de Wit und Jaques v Erven aus deren niederländischen Publikation „Daglicht universal-international“ No10 1982. Eine liebevoll gestaltete Zeitschrift mit Beiträgen unterschiedlicher Künstler der niederländischen Kreativ-Szene.
Da ich kein Niederländisch verstehe, empfand ich den Sprechgesang besonders „zeichenhaft“ und für mein Projekt durchaus geeignet.
Das gesammelte Bildmaterial, in zahllosen Dias, wollte mit geeignetem Klang untermalt werden. Bei der Arbeit wurde mehr und mehr deutlich, dass sich unterschiedlichste Gefühle und Stimmungen beim Betrachten einzelner Bilder auftaten. Sodass ein Abbild immer auch als Zeichen gelesen werden kann.
Im Zusammenspiel mit den unterlegten Klangwelten wird dieser Eindruck verstärkt und akustisch gelenkt.

Scheinbar zusammenhanglose Bildfolgen werden mit unterschiedlichen Klangmustern unterlegt, welche eine subjektive Deutung und Sichtweise mit unterschiedlichen Reflexen hervorrufen.
Bilderwelten der Medizin, der Natur, der Technologie, der Gesellschaft. Allgemein Zeichen unserer Kultur, zu der wir, individuell abweichend, in Beziehung stehen.
Anmutendes, Abweisendes, Informatives, Geheimnisvolles, Skurriles, wird kontrastreich in Szene gesetzt.
Von der Kindheit bis ins hohe Alter ist die Haut sowohl Stressfaktoren und schmeichelnden Situationen ausgesetzt.

Anregungen, und „Erregungen“, denen man sich nicht entziehen kann. Medizinisch gesehen, reagiert auch die Haut messbar auf entsprechende Reize. So entschied ich mich für den Titel „Haut“.


Komposition Teil 1
0:00 – 4:40
Ton: Stefan Matussek. Eigene Musikkomposition und Vertonung mit einem Casio-Mini Keyboard
Intro-Abbildungen aus „Atlas of human Anatom and colored Planes 1831 – 1845

Komposition Teil 2
4:40 bis 9:40
Ton: Don Ellis „Hey Jude“ Bild: Fotosammlung aus verschiedenen Illustrierten Zeitschriften kombiniert mit eigens erstelltem Fotografien.

Komposition Teil 3
9:40 bis 13:XX
Ton: Flexi Disc aus Magazin Daylight No 10 1982: Hans de Wit, Jacques v Erven
Bild: Collagierte Bilder aus Zeitungsausschnitten, Werbeanzeigen und TV-Filmszenen (Screenshots) aus Fritz Langs Metropolis, und Werner Fassbinder.

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