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Lost Beuys

Persönliche Erinnerung an Joseph Beuys
Zum 100sten Geburtstag am 12. Mai 2021

Es waren die Achtziger, in der die deutsche Kunstwelt wunderbare Kapriolen trieb, und immer wieder für Sensationen und großes Aufsehen sorgte. Namen wie Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Georg Baselitz, H.A. Schult, A.R. Penck, oder Anselm Kiefer dominieren noch bis heute die Kunstszene. Darunter Joseph Beuys, der mit seiner berühmt berüchtigten „Fettecke“ ganz gewiss noch den entferntesten Kunstbanausen aus der Reserve lockte.
Fast Jedermann konnte die Geschehnisse in der Kunstszene mitverfolgen.

Zu meiner Ausstellung im Museum der Stadt Weinheim entwarf ich dieses Werk

Lost Beuys“ © Stefan Matussek 2019 Polaroidkopien genäht auf Filzdecke mit Rucksack

„Lost Beuys“ weil viele seiner kunsttheoretischen Ansätze zwar schlüssig und nachvollziehbar scheinen, vom Wandel der Zeit aber überholt, und weitestgehend in Vergessenheit gerieten.

Was Beuys von den anderen unterschied, ist sein universeller Ansatz des Kunstverständnisses, das u.a. als „erweiterter Kunstbegriff“ von sich reden machte. Er brauchte sich nicht auf ein Genre zu beschränken. Sein Genie ist darin zu sehen, dass viele seiner Objekte mit archaischen Symbolen versehen und mit einer gewissen Magie aufgeladen sind. Kunsttheoretische Exkurse bereicherte er, und setzte unterschiedlichste Transformationsprozesse in Gang. Nicht zuletzt mit der Pflanzung von 7000 Eichen 1982 in Kassel.

Die Republik setzte sich vor der Wiedervereinigung gerade mit der Anti Atomkraftbewegung auseinander. Die „neuen Wilden“ beherrschten die deutsche Kunstlandschaft. Und die „Grünen“ fanden mit Joseph Beuys einen ihrer Gründer. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Beuys

Zwei Projekte von Joseph Beuys blieben mir besonders in Erinnerung:
Diese Werke beeindruckten mich bis heute nachhaltig, und ich meine, daß diese in der Qualität und „Radikalität“ bislang kaum getoppt sind.

Es war 1984 bei der Ausstellung bei Basel „Skulptur im 20. Jahrhundert“ im botanischen Garten Brüglingen.
Hier definierte er den Begriff der Skulptur völlig neu, indem er eine Dampfsäule schuf, die von einem kupfernen Boiler erzeugt wurde, der sich auf dem Grund eines eigens tief ausgehobenen „Bergmanns- Schacht“ ausserhalb des Kellergewölbes befand.

ein anderes seiner bewundernswerten Werke befand sich in der Museumsmauer der Düsseldorfer Kunsthalle zum Thema „Schwarz“.
Hier bohrte er hoch in die oberste Ecke der Halle ein Loch, und verbrachte ein Ofenrohr, das nach Aussen führte.
Hineinschauen konnte man in das rußgeschwärzte Rohr nicht, doch man konnte begreifen, Schwarz ist die „Abwesenheit von Licht“.

© Basler Stadtbuch 1984, S.20
Ausstellung: Skulptur im 20. Jahrhundert
Joseph Beuys „Thermisch-plastisches Urmeter“ 1984, Botanischer Garten Brüglingen 1984


Bildquelle: https://www.baslerstadtbuch.ch/.permalink/stadtbuch/7a9b5334-deea-4cc5-908a-746d2e9abdee

Zitat aus einer Sendung des SWR 23.8.2015: Im Barock liebte man den (Tabak-) Rauch als „nicht zu fassende Gestalt der Vergänglichkeit“.

Ein weiteres Zitat war im Kunstverein Friedrichshafen 2009 zu lesen:
´Ob Werbung Kunst sei, hängt davon ab wofür sie wirbt´.

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